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Biographie

Elisabeth Hauer wurde am 12. Juni 1928 in Wien geboren. Der Vater, ein Tierarzt, war Wiener, die Mutter, eine Bauerntochter, stammte aus dem Waldviertel. Kindheit und Jugend verbrachte Elisabeth Hauer am Rand der Stadt. In einem alten Haus, das von einem großen, verwilderten Garten umgeben war. Dieser Garten bildete, wenn es die Jahreszeit erlaubte, ihren Lebensraum. Alte Bäume, verwachsene Wege, die von Moos bedeckten Reste eines Springbrunnens regten die Phantasie des Kindes in nachhaltiger Weise an, verführten zu verträumten Spielen, zu Vorstellungen einer unbekannten Welt. Dieser Garten ermöglichte eine Freiheit ohne Verbote. Die Autorin ist überzeugt, dass diese Umgebung ihrer Kindheit tief in ihr weiteres Leben hinein gewirkt hat.

Als der Vater im zweiten Weltkrieg zur Wehrmacht eingezogen wurde, verließ die Dreizehnjährige mit ihrer Mutter dieses Haus. Wieder wohnte sie am Rand der Stadt in einem großen Garten, in der Nähe von Verwandten, die der Mutter halfen, die Sorge um ihren Mann leichter zu ertragen. Auch dieser Garten war schön und groß, aber ihm fehlte der geheimnisvolle Zauber des ersten. Die Gymnasialzeit verlief ohne besondere Probleme, an den Fliegeralarm, an die Notwendigkeit in Schule und Wohnbezirk den Luftschutzkeller aufzusuchen, gewöhnte man sich. Noch war Wien durch großflächige Angriffe nicht gefährdet. Manchmal blieben die Briefe des Vaters von der bereits zurückweichenden Front lang aus. Die Tochter aber war überzeugt, er würde wiederkommen. Er kam auch wieder. Einige Monate vor Kriegsende. Schwer krank, vom Krieg gezeichnet. Seinen Beruf nahm er wieder auf. Nicht lang. Er starb im Alter von siebenundfünfzig Jahren.

Elisabeth Hauer inskribierte an der Universität Wien die Fächer Germanistik und Romanistik und schloss ihr Studium im Jahr 1951 mit dem Doktorat ab. Die Berufswahl gestaltete sich schwierig. Sie nahm schließlich eine Stellung in einer Großhandelsfirma als Korrespondentin an, danach arbeitete sie in einer Automobilfabrik als Chefsekretärin.
Mittlerweile hatte sie geheiratet. Ihr Mann, Dr. Helmut Hauer, war Wirtschaftsprüfer und hatte seine Kanzlei im dreizehnten Bezirk, in Hietzing, wo das Ehepaar auch wohnte. Inzwischen hatte Elisabeth Hauer zu schreiben begonnen, wann immer es ihre Zeit erlaubte, kurze Prosastücke, Gedichte. Manchmal kam es zu Veröffentlichungen, in Zeitungen, in Zeitschriften. Dass sie einmal das Schreiben als Hauptberuf ausüben würde, daran dachte die Autorin damals noch nicht. Als ihre Tochter Andrea, ihr Sohn Alexander geboren wurden, gab sie ihre Stellung auf und widmete sich der Familie. Manchmal, wenn die Stunden günstig waren, schrieb sie. Die Manuskripte wurden länger. Für kulturelle Themen interessierte sich der Österreichische Rundfunk. Kurzgeschichten wurden ab und zu in Wochenendbeilagen veröffentlicht. Der Wunsch, einen Roman zu schreiben, wurde immer drängender. Zuvor aber kam noch ein anderer wichtiger Abschnitt ihres Lebens.

Der Redakteur der Zeitschrift „Literatur und Kritik“, der Schriftsteller Kurt Klinger, suchte eine Mitarbeiterin. Elisabeth Hauer nahm diese Stellung an. Drei Jahre, von 1979 bis 1981 arbeitete sie in der Redaktion, Begegnungen mit bekannten Autoren und deren Werken erweiterten ihren Zugang zur Literatur. Es war Hans Weigel, der ihr sagte: Sie müssen einen Roman schreiben. Es war Kurt Klinger, der ihr sagte: Jetzt ist es an der Zeit.

Elisabeth Hauer gab ihre Arbeit in der Redaktion auf und schrieb ihren ersten Roman „Ein halbes Jahr, ein ganzes Leben“, der 1984 im Verlag Styria erschien. Da er von den Lesern sehr gut aufgenommen wurde, setzte sie ihre Arbeit als Schriftstellerin fort.

Im Verlag Styria erschienen:

1984 „Ein halbes Jahr ein ganzes Leben“, Roman
1986 „Sommer wie Porzellan“, Roman
1989 „Fallwind“, Roman
1992 „Die Bogenbrücke“, Roman
1995 „Ein anderer Frühling“, Erzählungen


Da der Verlag Styria später seine literarische Produktion aufgab erschien:

2000 „Die erste Stufe der Demut“, Roman,
in der Literaturedition Niederösterreich

2007 „Die Enthüllung der Paradiese“, Erzählungen,
in der Edition Milo im Verlag Lehner


Ausserdem veröffentlichte die Autorin die Lyrikbände:

1984 „Verlasse die Felder“, Edition Roetzer
2001 „Damals der Sommer am Fluss“, Verlag Grasl

Romane von Elisabeth Hauer wurden in folgende Sprachen übersetzt:
Türkisch, Russisch, Polnisch, Tschechisch, Rumänisch, Georgisch.

Elisabeth Hauer lebt mit ihrem Mann noch immer im dreizehnten Bezirk, aber nun seit langem an dessen Rand, in Ober St. Veit, einem Ort in fast unberührter Natur, der ihr die notwendige Ruhe zum Schreiben schenkt. Ihre Tochter Andrea arbeitet als Chefdisponentin am Burgtheater, ihr Sohn Alexander ist als Manager für Werbung und Kommunikation tätig. Die beiden Enkelinnen, Hanna und Elisa, besuchen das Gymnasium.

Die Autorin ist Mitglied des Österreichischen P.E.N.-Clubs, des Österreichischen Schriftstellerverbandes, des Literaturkreises Podium. Sie erhielt den Bertelsmann Erzählpreis, den Preis des Adolf-Schärf- Fonds. Für Ihr literarisches Werk erhielt sie den Titel Professor und das Goldene Ehrenzeichen des Landes Niederösterreich.